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Grundfaktoren der Farbvererbung

Simple Buchstaben mit großer Wirkung

Professor Dr. Hans Nachtsheim hat eine deutsche Symbolsprache geschaffen, die bestimmte Merkmale für die Farbvererbung kennzeichnet und für das züchterische Wirken in einem bestimmten Maß auch Berechnungen ermöglicht. Die Symbolisierung nach Nachtsheim hat sich durchgesetzt und wird heute von der Züchterschaft in Deutschland verwendet. Nur für ganz besonders korrekte Leser und Züchter werde ich im Anhang die internationalen Gensymbole benennen und tabellarisch gegenüberstellen. Sie werden jedoch ebenso wenig Einzug in die Umgangssprache unserer Züchter halten wie mein Gedanke an das Umbenennen der Schwarzwildfarbigen in Farbenschläge nach dem Schattierungsgrad.

Diese Symbole stehen für bestimmte Merkmale und mit ihnen lassen sich etwaige erbbiologische Vorgehensweisen berechnen. Doch bis zu den Berechnungen arbeiten wir uns gemeinsam Schritt für Schritt durch. Alle großgeschriebenen Symbole dokumentieren stets eine Vorherrschaft (Dominanzwirkung) des betreffenden Faktors. Kleine Buchstaben unterliegen diesen Erbanlagen als Grundfaktoren rezessiv (verdrängt, zurücktretend, überdeckt).

Für die bisher beschriebenen schwarzwildfarbigen Spielarten stehen folgende Symbole als Grundfaktoren für die Farbentwicklung zur Verfügung.

A = Faktor für Pigmentbildung (umgangssprachlich: Farbbildungs- oder Pigmentfaktor)

B        =   Faktor für dunkles Pigment

C        =   Faktor für Schwarz

D        =   Dichte der Schwarzeinlagerung im Einzelhaar

G = Wildfarbigkeitsfaktor (erzwingt die beschriebenen Eigenarten der Zonierung)

Erklärung zu A:
Ohne A ist gar keine Farbbildung möglich. Ein a (kleingeschrieben) bedeutet Farblosigkeit (Albinismus), der im Kapitel „Fehlende Pigmentierung (Albinismus)“ genauer besprochen wird.

Erklärung zu B:
Das Symbol B unterstützt, dass dunkle Pigmente gebildet werden und auch wirken können. Als dunkles Pigment spielt allgemein in der Erblehre das Melanin in unterschiedlichen Formen eine wesentliche Rolle. Hierbei handelt es sich um einen roten bis schwarzen Farbstoff, der bei Tieren und Menschen vorkommt und die Haut-und Haarfarbe beeinflusst. In der späteren Beschreibung wird erkennbar, wie B durch Mutationsschritte verändert wurde und welche Auswirkungen diese Mutationen auf die Farbentwicklungen haben.

Erklärung zu C:
Durch C ist die Schwarzeinlagerung im Haar sehr stark konzentriert. Eine Veränderung dieses Symbols in c ist mit einem Farbverlust vergleichbar. Die Folge ist: Es entsteht ein sattes Braun.

Erklärung zu D:
Die Dichte (D) bezieht sich auf die Möglichkeit, dass Schwarzfaktoren uneingeschränkt wirken, sich uneingeschränkt verteilen können.

Erklärung zu G:
Wie bei den schwarzwildfarbigen (grauen) Tieren bereits erklärt, ist dieser Faktor kraft seiner starken Wirkungsweise Verursacher der Zonierungen am Körper und im Einzelhaar. Selbst bei anderen Rassen, die auf der Basis der Wildfarbigkeit erzüchtet sind, entfällt dieses Merkmal nicht.

Mit diesen Buchstaben,
die einmal als Bruch oder auch in einer Zeile hintereinander, durch einen Schrägstrich getrennt, geschrieben werden können, lassen sich so genannte Erbformeln erstellen. Mit diesen Formeln lassen sich Kreuzungsergebnisse berechnen oder Spalterbigkeiten werden erkennbar dargestellt. Jede unserer Rassen hat entsprechend ihrem äußeren Erscheinungsbild eine solche Erbformel.

Über beziehungsweise vor dem Bruchstrich stehende Symbole weisen auf mütterliche Erbanlagen hin, die unter oder hinter dem Strich stehenden dagegen auf väterliche. Dies wird vielfach als Nonsens bezeichnet, weil die Symbole niemals über die Gesamtheit aller Erbmöglichkeiten etwas aussagen können, deshalb sei es gleichgültig, wie eine Erbformel aufgebaut ist. Das ist zwar richtig, doch für die Züchter, die auf ernsthafte Berechnungen angewiesen sind, kann diese Richtigstellung ein wichtiger Punkt sein.

z.B.

Reinerbige schwarzwildfarbige Rassekaninchen der Farbenschläge Hasen-, Wild- und Dunkelgrau tragen die Formel (Erbsymbole).

ABCDG (mütterlich) / ABCDG (väterlich) oder

ABCDG     mütterlich
ABCDG     väterlich